Serie VaterWald

abfotografierte Projektionen
2009

Die Serie entstand aus einer ausführlichen Beschäftigung mit dem Thema Wald. Für die Arbeiten wurden jeweils ein Mittelformat-Dia (Film) eines Waldmotivs und ein gefundenes Foto, digital vorliegend, unterschiedlichster Herkunft auf einen vorbereiteten Hintergrund projiziert. In der Montage entstehen jeweils mehrdeutige Beziehungsgeschichten in künstlerischer Verbindung mit dem Wald, der für mich immer ein väterlicher ist. Man ahnt das Entstehen der jeweiligen Kombinationen aus meiner eigenen Lebensgeschichte, aber immer auch gehen die Arbeiten darüber hinaus zu allgemeinen Themen wie Gewalt, Krieg, Vertriebung, Liebe oder Trennung.
Die Fotoarbeiten sind abfotografierte Projektionen auf eine Wand, neue Bildräume entstehen durch die Überlagerung unterschiedlicher Perspektiven, Lichtstärken, Farbräumen und Figuren. Sie sind in einem schwarzen Raum entstanden, der zum Teil sichtbar wird. Dieser "schwarze Raum" enthält verschiedene Verweise. Er erinnert an das Kino als zentrales Medium des 20. Jahrhunderts, an die Nacht und den Traum mit den Bezügen zum Unbewußten und den Umwälzungen der Psychoanalyse zu Beginn des 20. Jahrhunderts und an die Höhle als ein Bild des Gefangenseins des Menschen in seinen Wahrnehmungsbedingungen.

Grundsätzlicher Ansatzpunkt meiner künstlerischen Arbeit ist es zu verfolgen, wie neue Figurationen zustandekommen, wenn zwei oder mehr eigenständige Bilder oder Bildebenen sich begegnen. Dabei gibt es keine Festlegung, woher die Bilder stammen und in welchem Medium sie vorliegen, es finden sich die unterschiedlichsten Mischtechniken, auf Papier, mit Stift und Farbe oder als Projektion verschiedenartiger Fotografien (filmstills, analoge /digitale Fotos).

An der Arbeit mit Überblendungen interessiert mich, daß etwas neu entsteht, auf dem Papier, an der Wand oder im Auge des Betrachters. Dieser wird aufgefordert, "zweiäugig" zu sehen: bei einer Ebene zu beginnen und sich assoziierend auf weitere Ebenen einzulassen, diese zu verbinden oder den Konflikt zwischen den Ebenen bestehen zu lassen. Wie weit man jeweils geht, bleibt einem selbst überlassen.

Sergej Eisenstein, russischer Regisseur und Filmtheoretiker Anfang des 20. Jahrhunderts prägte für seine Art filmische Bilder zu montieren, den Begiff des "Überlagerungskonflikts": "Grundlage filmischer Darstellung nach Eisenstein ist die Entwicklung und Lösung des Überlagerungskonfliktes zweier cadres (Filmbilder). Das Zusammenspiel zweier Filmbilder in Form eines Konflikts ist das Element der Filmsprache, nicht ein einzelnes Filmbild an sich. "(Uni Würzburg, Vorlesung Filmtheorie SS 2006).

In Bezug darauf geht es in meinen Arbeiten um die Darstellung und Anregung von Überlagerungskonflikten– anhand des weiten Themengebietes "Der Mensch in seinen Beziehungen".