TraumWald

Fotocollagen 2009

Der Wald ist die einzige Heimat, die ich habe.

In meinem Erwachsenenleben war der Wald für mich unheimlicher Ort, eher feindlich, manchmal romantisch, durchsetzt mit bruchstückhaften Kindheitserinnerungen. Nachdem ich dort exzessiv fotografiert habe, lebt der Wald in mir als eine väterliche Figur weiter. Immer noch gehe ich nicht alleine in den Wald.

Der Wald der deutschen Geschichte ist ein zerrissener Wald. Einer, dem man die warmen und unkomplizierten Heimatgefühle nicht mehr glauben kann. Der deutsche Wald ähnelt dem deutschen Volkslied, der Bruch in der deutschen Geschichte macht den Nachkommen den Zugang sehr schwer.

Ist ein Heimatgefühl über den Bruch in der Geschichte hinweg möglich? Wenn ja, wie verändert es sich? Wird über verlorene Heimatorte nicht genau das deutlich: Wir errichten Heimat in uns, wir spielen mit ihr, klammern uns an sie, stoßen sie weg, verleugnen sie, hassen sie und suchen neue Wege der Heimatfindung. Heimat wird produziert, gestaltet, allmählich verfertigt ein ganzes Leben lang.

Monrepos steht für den Wald, in dem ich meine Kindheit verbracht habe. Monrepos war ein weißes Schloß des Fürsten zu Wied, das im Ort meiner Heimat im Wald stand. Eine Sommerresidenz, die man verfallen ließ und die 1969 als Feuerwehrübung niedergebrannt wurde.

Przemkow steht für den Wald, in dem mein Vater seine Kindheit verbracht hat, in Niederschlesien.

Eitorf steht für den Wald, den ich selbst gefunden habe und in mir finden kann. Ein urtümlicher Wald, eher weiblicher Wald.